Wirklichkeit war nie genug, Zauber tat Not

“I began to realise that the mountain is no more than an indifferent wasteland of rock and ice with no other value than what we choose to give it, but that on this infinitely virgin material each man could mould, by the creative force of the spirit, the form of his own ideal.”
Lionel Terray


Machhapuchhare

Wir sind unterwegs zum Annapurna Basislager.
Es geht rauf und runter, hinter Deurali beginnt die “Avalanche Risk Area”. Auf der Ostseite des Flusses finden wir einen alternativen Weg und umgehen so die Lawinengefahr auf dem Pfad direkt unterhalb der Hänge Hiunchulis. Wir betreten nun allmählich das Sanctuary, jenen Talkessel im Herzen des Annapurna-Gebirges, an dessen Ende sich das Annapurna Basislager befindet. Gegen Mittag erreichen wir unser Tagesziel Machhapuchhare Base Camp, essen eine Kleinigkeit und verbringen den Großteil des Nachmittags kartenspielend. Wir sind umgeben von einem Amphitheater aus schneebedeckten Gipfeln, Annapurna I, Fang, Annapurna South, Gangapurna, Hiunchuli und Annapurna III. Highlight jedoch ist Machhapuchhare, wie er rötlich angestrahlt wird von der untergehenden Sonne, direkt neben unserem Standort hoch in den Himmel ragend. Dieser Berg ist eine Schönheit, aus jeder Perspektive, bei jedem Wetter, zu jeder Zeit. Kein Wunder, dass er den Nepalesen heilig ist und nicht bestiegen werden darf.


Südwand

Am nächsten Tag gehen Kristin, die beiden Schweden Sebastian und John, und ich das kurze Stück durch den Schnee zum Annapurna Basislager, es ist überraschend einfach, wir kommen gut voran und erreichen nach ca. 2 Stunden die Lodges des Basislagers.

Annapurna Basecamp

Dort verabschieden wir uns von den Schweden, sie starten den direkten Rückweg. Kristin und ich wärmen uns eine Weile in der Sonne draußen auf, später laufe ich noch zum Memorial hinter den Lodges und weiter auf den Moränenrand des Annapurna-Gletschers. Dort verbringe ich magische Minuten, habe uneingeschränkte, klare Sicht direkt in die Annapurna-Südwand, auf den von ihr abgehenden Gletscher, Fang und all die anderen Giganten. Endlich bekomme ich meine Sicht auf die gesamte Annapurna I (8090m), das blieb mir bei meinem letzten Besuch vor zwei Jahren wegen schlechten Wetters verwehrt.

Abends ziehen dicke Wolken das Sanctuary rauf, es sind Vorboten des Sturms, der nachts und am nächsten Tag wüten wird. Vom Viewpoint sehen wir zu, wie es langsam dunkel wird, wie die Wolken an uns vorbeiziehen und Teile Annapurnas umschleiern.

In Memoriam: Anatoli Boukreev

Mitten in der Nacht werden wir von einem heftigen Sturm geweckt, es ist ohrenbetäubend, der Schnee fliegt durch Fenster-und Türspalten ins Zimmer, bei dem Getöse ist an Schlafen nicht zu denken. Nach zwei Stunden schließlich ebbt der Sturm etwas ab. Morgens liegt überall Schnee, es ist kalt und schneit weiterhin. Es wird Zeit, unsere Pläne zu überdenken. Wir beschließen den Tag heute hier zu bleiben und auf besseres Wetter zu warten. Durch den Sturm wollen wir nicht absteigen. Ein fauler Tag vergeht, wir hängen in der Lodge ab, spielen Karten, lesen, dösen. Wolken ziehen immer wieder durchs Tal, mal sieht man gar nichts, mal sind kleine Ausschnitte der Berge ringsum zu sehen. Ich laufe wieder auf den Moränenrand durch tiefen Neuschnee, keine Spur ist von Annapurna I zu sehen. Dann besuche ich das Memorial von Anatoli Boukreev, der 1997 in der Südwand tödlich verunglückt ist.

Anatoli Boukreev

Abends klärt es sich plötzlich auf und wir werden Zeugen eines weiteren unvergesslichen Sonnenuntergangs. Annapurna South wird umschleiert von pinken Wolken, Annapurna I erstrahlt in voller Pracht. Machhapuchhare schießt den Vogel ab, er scheint lichterloh zu brennen.

Annapurna Sanctuary


Lawine

Sonnenaufgang. Aus dem warmen Schlafsack geht es direkt von 0 auf 100 in die Kälte und den Schnee zum Viewpoint. Der Sturm ist vorbei, es ist klar und windstill. Die oberste Spitze von Annapurna I bekommt die erste Sonne ab, dann wandert die Sonne langsam die Südwand runter.

Wir sind bereits auf dem Rückweg zur Lodge als eine gewaltige Lawine vom Bergrücken zwischen Fang und Annapurna abgeht. Es ist merkwürdig still, aber die Lawine ist riesig, sie begräbt Eisbrüche und schließlich einen Teil des Gletschers unter sich. So eine Lawine habe ich noch nicht gesehen.

Annapurna

Aus sicherer Entfernung beobachten wir gespannt das Naturschauspiel. Dann brechen wir auf, durch viel Schnee geht es wieder runter von ABC nach MBC. Noch ein letzter Blick nach oben zu Machhapuchhare und zurück auf Annapurna, dann lassen wir das Sanctuary hinter uns.

Annapurna Base Camp

 

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