Die Toten von Pashupatinath

Kathmandu earthquake

Kathmandu, 29.04.2015, kurz nach dem Erdbeben. Tagebuchnotizen.

Vielleicht sollte ich nicht hier sein. Wahrscheinlich sollte ich das nicht sehen, sollte weggucken, die Augen schließen oder gehen. Ich weiß, dass sich das, was ich sehen werde, in meinem Kopf einprägen wird, dass ich die Bilder nicht vergessen werde. Aber ich kann nicht weggucken, muss hinschauen.

Es herrscht Hochbetrieb hier an den Ghats, wo die Leichen nach hinduistischem Brauch an den Ufern des heiligen Bagmati verbrannt werden. Im Minutentakt werden neue Leichen angekarrt in Krankenwagen, Transportern und Lastwagen, geborgen aus den Trümmern der Hauptstadt. Die Toten sind nur notdürftig bedeckt mit Planen und Stoffen, Körperteile ragen heraus. Gestank und Verwesungsgeruch in der Luft sind beißend, kaum zu ertragen. Angestellte des Krematoriums wickeln die Leichen aus den Planen, entkleiden sie, bevor sie sie auf die vorbereiteten Holzscheite legen. Die Toten sind kaum mehr als Menschen zu erkennen; halb verwest, teilweise verformt, die Haut fleckig, die Gesichter schwarz und entstellt. Die Scheiterhaufen brennen lichterloh, verkohlte Gliedmaßen liegen herum, es ist surreal.

Ich muss daran denken wie schnell all diese Menschen aus ihren Leben gerissen wurden, wie sie Opfer einer Laune der Natur wurden, einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Ich frage mich, was sie wohl in ihren letzten Minuten gemacht haben, was sie für Pläne hatten, was von ihnen bleibt. Der Tod ist hier so allgegenwärtig.


“There is no easy way to approach death. Avoid it and it will haunt you. Confront it and are you seeking immortality? Perhaps by accepting it and seeing death as wonderful as its partner – birth – we can lessen the pain of loss. If there is one constant in life, it is that we have to understand mortality. Our existence is, after all, fleeting and so very short. We have but a brief time to reach for self actualization and in the process make the world a friendlier and happier place. Let us not mourn death, let it be our inspiration.”
Conrad Anker

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